Rückschau zur Schafwanderung am 25. September 2026

Schäferin Christine Brencher und Florian Haßler MdL (Foto: Joe Wagner)

Schafe schützen wertvolle Wiesen vor Verbuschung und schaffen zugleich Lebensräume für Insekten. Wie diese natürliche Landschaftspflege funktioniert und welcher tägliche Einsatz dafür nötig ist, zeigte die Schafwanderung am 25. September 2026 mit Schäferin Christine Brencher und unserem Abgeordneten im Baden-Württemberger Landtag und Staatssekretär, Florian Haßler. Im Blick standen außerdem seltene Rassen, die Verwertung der Wolle und die Finanzierung der Vereinsarbeit.

Zuvor hatte er die Firma Beutelsbacher besucht. Das Land Baden-Württemberg unterstützt seit Jahren die Verarbeitung von Streuobst mit dem Ziel, verlässliche Fördermöglichkeiten und eine klare Zertifizierung zu schaffen. So soll für Verbraucherinnen und Verbraucher erkennbar werden, dass Säfte aus Streuobst hochwertige regionale Produkte sind. Für Haßler knüpfte der Besuch der Schafweiden daran unmittelbar an. Er zeigte sich beeindruckt vom großen ehrenamtlichen Engagement in Kernen.

Bei subjektiv sehr schönem, objektiv eher schlechtem Wetter – denn für die Jahreszeit war es viel zu warm und zu trocken – führte Schäferin Christine Brencher die 13-köpfige Gruppe über eine fünf Kilometer lange Strecke zu mehreren kleinen Schafherden. Neben ihren Erläuterungen gab Brencher den Teilnehmenden auch die Gelegenheit, in direkten Kontakt mit den Schafen zu kommen.

Als natürliche Landschaftspfleger halten Schafe Wiesen offen: Sie fressen Gräser, Kräuter und junge Triebe und bremsen damit die Ausbreitung von Buchen, Eschen und Ahorn. Im Unterschied zum maschinellen Mähen bleibt die Vegetation lückig. Einzelne Pflanzen bieten Insekten weiterhin Nahrung und Rückzugsräume. Zugleich lockern die Hufe den Boden punktuell auf. In kleinen Vertiefungen kann sich Regenwasser sammeln – neue Kleinstlebensräume entstehen.

„Schafe sind ganz besondere Naturschützer“, sagte Haßler. Indem sie zwischen Bäumen und Sträuchern grasen, leisteten sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Natur und der typischen Kulturlandschaft des Remstals – insbesondere der Streuobstwiesen.

Ganz ohne zusätzliche Pflege geht es jedoch nicht. Brombeeren verschmähen Schafe weitgehend; Ziegen wären hier wirksamer. Stark wachsende Bestände müssen deshalb von Hand oder mit Geräten zurückgeschnitten werden. Auch junge Bäume brauchen Schutz: Bergschafe können Rinde abschälen und Stämme dauerhaft schädigen. Auf einer der besichtigten Weiden waren die Bäume daher mit Draht gesichert.

Zu den vorgestellten Rassen gehörten Brillen- und Bergschafe. Nach Angaben der Verantwortlichen werden Brillenschafe nur noch in Bayern gezüchtet; von dort stammen deshalb die Lämmer der Herde. Bergschafe fallen durch ihre Hängeohren auf und können sich unabhängig von der Jahreszeit fortpflanzen. In einer Herde läuft bereits ein Bock bei den weiblichen Tieren. Bei einer Tragzeit von rund fünf Monaten wird in den kommenden Monaten Nachwuchs erwartet.

Junge Böcke bleiben bis zu einem Alter von etwa vier Monaten gemeinsam auf der Weide. Zunächst sind sie meist zutraulich; später erfordern sie einen klaren, vorsichtigen Umgang, weil ausgewachsene Tiere Menschen bedrängen oder umstoßen können. Zweimal täglich werden sämtliche Herden kontrolliert. Elektrozäune sichern zwar die Flächen, doch bei Gefahr kann der Herdentrieb stärker sein: Läuft ein Tier los, folgen oft die anderen. Regelmäßige Kontrollen verhindern, dass versprengte Tiere erst weit entfernt gesucht werden müssen.

Im Winter stehen die Schafe in einem von der Gemeinde errichteten und vom Verein gepachteten Stall. Gefüttert wird Heu – und dabei ist besondere Sorgfalt nötig. Auf den Wiesen wächst die giftige Herbstzeitlose. Beim Grasen meiden die Tiere sie in der Regel, im Heu erkennen sie die Pflanze jedoch nicht zuverlässig. Weil sie auch getrocknet giftig bleibt und bereits geringe Mengen tödlich sein können, muss sie konsequent aussortiert werden.

Auch für die Wolle braucht es tragfähige Verwertungswege. Da es in Deutschland nur wenige Möglichkeiten gibt, Rohwolle zu waschen, wird sie unter anderem in Österreich oder Belgien aufbereitet. Anschließend geht sie an Spinnereien oder an Betriebe, die daraus Düngepellets herstellen. Für Strickwaren eignet sich nicht jede Qualität; festere Fasern lassen sich jedoch gut filzen. Eine Ehrenamtliche verarbeitet sie beispielsweise zu langlebigen Sitzkissen. Privatleute, die Hobbymaßig Filzen, können gegen eine Spende bei ihrem Verein Schafwolle beziehen (Kontakt kann über die Homepage https://www.schafwanderweg.de/ hergestellt werden), erklärte Christine Brencher auf Rückfrage.

Die Landschaftspflege hat ihren Preis. Schur, tierärztliche Versorgung, Futter, Weide- und Stallpacht sowie die Arbeit des Metzgers verursachen laufende Kosten. Einnahmen kommen unter anderem aus dem Verkauf von Fleisch und Wollpellets; hinzu treten Spenden und Mitgliedsbeiträge. Nach den beim Besuch genannten Angaben kostet eine passive Mitgliedschaft derzeit 25 Euro im Jahr. Auf einzelnen Flächen entfällt die Pacht, weil die Schafe dort im Gegenzug die Pflege übernehmen.

Haßler hörte den Erläuterungen aufmerksam zu. Er habe einige Punkte aus dem Gespräch mitgenommen, erklärte der Landtagsabgeordnete und Staatssekretär, bevor er zu seinem nächsten Termin aufbrach. Sobald es konkrete Anliegen gebe, die Ehrenamtlichen eine Einschätzung oder Unterstützung benötigten oder Kritik äußern wollten, sollten sie sich direkt melden. Der Kontakt über den Ortsverband Kernen-Weinstadt bestehe bereits.

Getragen wird das Projekt vor allem vom Ehrenamt. Die Helferinnen und Helfer versorgen die Tiere, kontrollieren die Weiden und übernehmen an jedem Tag des Jahres Verantwortung. Die Schafe kennen ihre vertrauten Betreuungspersonen und reagieren auf deren Rufe. Wie stark sie sich am Geruch orientieren, zeigt sich nach der Schur: Weil ein großer Teil des vertrauten Geruchs in der Wolle steckt, erkennen sich Muttertiere und Lämmer mitunter zunächst nicht wieder. Der Besuch machte damit zweierlei deutlich: Schafbeweidung bewahrt wertvolle Kulturlandschaft – und sie gelingt nur mit Fachkenntnis, Fürsorge und verlässlichem Einsatz.

Autor: Petra Dunker

„Schafe sind ganz besondere Naturschützer“, so Florian Haßler. (Alle Fotos: Joe Wagner)